„Speicherinfrastruktur für den H₂-Hochlauf – was ist jetzt zu tun?“

Dr. Peter Rosin moderiert Diskussionsrunde auf der e-world energy & water in Essen

11. Februar 2026

Am 10. Februar 2026 diskutierten auf der E-world energy & water in Essen Expertinnen und Experten über den Stand und die Perspektiven der Wasserstoffspeicherinfrastruktur in Deutschland. Die Moderation übernahm Dr. Peter Rosin, Geschäftsführender Gesellschafter der auf Energierecht spezialisierten Kanzlei Rosin Büdenbender.

Es diskutierten Sabine Augustin (Commercial Managing Director, RWE Gas Storage West GmbH), Sebastian Heinermann (Geschäftsführer, Initiative Energien Speichern – INES) und Dr. Benjamin Pfluger (Leitung Integrierte Energieinfrastrukturen, Fraunhofer IEG).

Marktentwicklung: Zwischen Euphorie und Realität

Zum Auftakt skizzierte Dr. Rosin die Entwicklung des Wasserstoffmarktes als Dreiphasenmodell: Euphorie, Ernüchterung und ein schrittweises Ankommen in der Realität.

Sabine Augustin stimmte dieser Einschätzung zu, sieht den Markt jedoch noch nicht vollständig aus der „Depression“ heraus. Wasserstoff aus deutscher Produktion sei im internationalen Vergleich und gegenüber fossilen Energieträgern weiterhin teuer. Dennoch sei der eingeschlagene Weg angesichts des Bedarfs an speicherbaren Energieträgern richtig.

Dr. Pfluger räumte ein, dass auch die Wissenschaft die Kostenentwicklung teilweise zu optimistisch eingeschätzt habe. Wasserstoff sei im Vergleich zu anderen CO₂-Vermeidungsoptionen kostspielig. Dennoch müsse das „Window of Opportunity“ genutzt werden, um Industrieabwanderung und eine Verfestigung fossiler Abhängigkeiten zu verhindern. Voraussetzung sei verlässliche Planungssicherheit.

Sebastian Heinermann betonte, der Wasserstoffmarkt sei kein klassischer Verbrauchermarkt, sondern politisch geprägt und stark von regulatorischen Entscheidungen abhängig. Die bisherige Entwicklung sei von vielen Einzelinstrumenten geprägt gewesen. Die Neuordnung der Zuständigkeiten im Ministerium bewertet er daher positiv.

Wasserstoffkernnetz: Finanzierung und Nachfrage im Fokus

Mit Blick auf das Wasserstoffkernnetz sprach Heinermann von einem Dilemma: Die ursprünglichen Planungsannahmen zur Nachfrage hätten sich bislang nicht erfüllt. Eine Weiterentwicklung sei nötig, um steigende Finanzierungslasten infolge geringerer Netzauslastung abzufedern.

Dr. Pfluger verwies auf die Notwendigkeit eines ausgewogenen Finanzierungssystems. Nur bei einer Balance zwischen Angebot und Nachfrage ließen sich tragfähige Netzentgelte sicherstellen. Zugleich übersteige die geplante Nachfrage nach Speichern bereits heute die vorhandenen bzw. konkret geplanten Kapazitäten.

Sabine Augustin bezeichnete das Kernnetz als Beispiel politischen Gestaltungswillens mit klarer Vision und operativer Planung. Nun müsse die Nachfrageseite ebenso ambitioniert gefördert werden. Pilotprojekte wie „GET H2“ zeigten, was möglich sei – entscheidend seien verlässliche Rahmenbedingungen für weitere Projekte.

Sind Wasserstoffspeicher bislang zu kurz gekommen?

Heinermann bejahte dies. Die technische und wirtschaftliche Komplexität von Speichern sowie ihre Abhängigkeit von der gesamten Wertschöpfungskette seien unterschätzt worden. Angesichts langer Planungs- und Realisierungszeiten sowie fehlender Refinanzierungssicherheit bestehe dringender Handlungsbedarf. Er plädierte für einen Instrumentenmix, etwa aus Differenzverträgen und amortisationsunterstützenden Modellen.

Augustin warnte, dass bei ähnlich langen Verfahren wie beim Kernnetz ausreichende Speicherkapazitäten kaum vor 2035 zur Verfügung stünden.

Dr. Pfluger sprach sich für ein transparenteres und stringenteres Fördersystem aus. Förderinstrumente müssten klarer aufeinander abgestimmt werden.

Nachfrageimpulse durch den Kraftwerkssektor?

Aus Sicht von RWE Gas Storage liegt das größte Potenzial kurzfristig in der Industrienachfrage. Aufgrund der Verzögerungen bei der Kraftwerksstrategie seien wasserstofffähige Kraftwerke voraussichtlich erst in den 2030er-Jahren zu erwarten. Zudem würden sie vor allem Spitzenlast abdecken und weniger zur Grundauslastung von Speichern beitragen.

Dr. Pfluger wies auf wirtschaftliche Unsicherheiten hin: Wasserstoffkraftwerke hätten derzeit mit mehrfachen Entgeltbelastungen zu rechnen – von der Elektrolyse über Ein- und Ausspeicherung bis hin zu Netzentgelten. Denkbar sei daher, dass sich stärker integrierte, lokale Konzepte mit eigener Erzeugung, Elektrolyse und Speicherung durchsetzen.

Heinermann ergänzte, kurzfristig bleibe die Industrie der wichtigste Abnehmer. Langfristig werde jedoch mit zunehmender Elektrifizierung, etwa durch Wärmepumpen, auch der Bedarf an Spitzenlastkraftwerken und entsprechender Speicherinfrastruktur steigen.

Fazit

Dr. Pfluger betonte abschließend die Notwendigkeit klarer Aussagen dazu, welche Nachfragegruppen mit welcher finanziellen Unterstützung rechnen können. Erst auf dieser Grundlage lasse sich der konkrete Speicherbedarf belastbar planen.

Sabine Augustin regte einen „Runden Tisch“ mit der Bundesregierung an, um Business Cases und Umsetzungshemmnisse offen zu diskutieren und Projekte schneller voranzubringen.

Sebastian Heinermann mahnte zur Eile: Ohne zügige Umsetzung drohe die Entwicklung der Wasserstoffspeicherinfrastruktur hinter den Klimazielen zurückzubleiben.